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"Ein nachhaltiges Produkt, das wirtschaftlich scheitert, hat am Ende keinen wirklichen Impact." - Im Interview mit Antonia Cox von POTTBURRI

Autor: Katrin Grieser
Datum: 11. März 2025

Die Tage werden länger, die ersten Knospen sprießen und die Gärten und Balkone werden aus dem Winterschlaf geholt. Was in der Regel bedeutet, dass man irgendwann vor einer fast absurd anmutenden Menge an kleinen Plastiktöpfen steht und sich fragt, warum es dafür eigentlich noch keine bessere und vor allem umweltfreundlichere Lösung gibt. Genau diesem Problem haben sich die Geschwister Antonia und Alexander Cox mit POTTBURRI angenommen. Gemeinsam haben sie einen biologisch abbaubaren Pflanztopf entwickelt, der den Gartenbau umkrempelt und die kleinen Plastikungetüme obsolet macht. Wie aus einer Vision ein Unternehmen wurde, welche Hürden die beiden mit ihrem Unternehmen gemeistert haben und warum Antonia sich keinen besseren Job vorstellen kann – das hat sie der K5 in diesem Interview erzählt:

Was hat Euch dazu inspiriert, POTTBURRI zu gründen?

Es wurde uns quasi in die Wiege gelegt: Unsere Eltern haben eine Gärtnerei, und schon unser Opa hat vor über 30 Jahren an Alternativen zum Plastiktopf getüftelt. Jetzt tragen wir seine Vision weiter und haben sie massentauglich gemacht! 

Gab es einen Schlüsselmoment, in dem Du wusstest: „Das ist die richtige Idee“?

Einen richtigen Schlüsselmoment gab es nicht. Für mich macht aber aus, dass es sich um ein wirklich komplett neues und innovatives Produkt handelt. Das gibt mir die Energie immer weiter an dieser Idee zu arbeiten und sie voran zu bringen!

Wie hat POTTBURRI die ersten Schritte im E-Commerce gemeistert – von der Produktentwicklung bis zum ersten Verkauf?

Das war ziemlich verrückt, ehrlicherweise. Erst haben wir über ein halbes Jahr lang alles entwickelt: von einer plastikfreien Verpackung durch clevere Falttechniken über komplexe Logistikprozesse für Pflanzen, die eben nicht lagerbar sind, bis hin zu Produktfotos. Außerdem musste das ERP-System Just-in-Time-Bestellungen mit den Gärtnern möglich machen und wir mussten die Gärtner erstmal überzeugen, solche kleinen Mengen im Vergleich zum Offline-Handel zu liefern.
Im Februar 2021 sind wir live gegangen und 2 Monate später war unsere Ausstrahlung bei “Die Höhle der Löwen”. Da musste dann alles auf Anhieb sitzen.

Welche Hürden musstet ihr auf dem Weg zur Gründung und zur erfolgreichen Marke überwinden?

Die ersten drei Jahre waren ein Kampf gegen Vorurteile. Es wurde viel nach Fehlern oder der potenziellen Mogelpackung gesucht. Konsument:innen waren Greenwashing quasi gewohnt. Erst verschiedene Zertifikate, Tests und unzählige Erklärungen haben bewiesen: Unser Pott ist ein ehrliches grünes Produkt.

Gab es einen Moment, in dem Du fast aufgegeben hättest – und was hat Dich weitermachen lassen?

Aufgegeben nicht, aber es gab viele Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie wir das alles schaffen sollen. Geholfen hat mir immer das Team und der Rückhalt in der Familie. Und am Ende auch der Drive, es einfach schaffen zu wollen. Es macht ja auch Spaß was zu bewegen!

Was war der bisher größte Meilenstein für POTTBURRI, auf den Du besonders stolz bist?

Das zählt vielleicht nicht als direkter Meilenstein, aber besonders stolz bin ich darauf, wie wir es als Familie schaffen zusammen zu arbeiten. Wir haben gelernt unsere Rollen zu unterscheiden: Zwischen Bruder und Geschäftspartner, Mama und Buchhaltung und Papa und Schwester als Kunden. Das ist sicherlich nicht selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar.

Nachhaltigkeit ist Euer Markenkern – wie schafft ihr es, diesen Anspruch mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden?

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen zusammen funktionieren. Ein nachhaltiges Produkt, das wirtschaftlich scheitert, hat am Ende keinen wirklichen Impact. Nur, wenn wir auch als Unternehmen funktionieren, können wir was bewirken. Hier ist zum Beispiel Patagonia ein großes Vorbild!

Über welche Vertriebskanäle verkauft ihr aktuell – und gibt es Pläne, neue Märkte oder Plattformen zu erschließen?

Unser Fokus liegt auf dem professionellen Gartenbau, den wir über den direkten Kontakt abwickeln. Wir verkaufen die Töpfe an den Gärtner, der dann Pflanzen darin produziert.

Unser Onlineshop war drei Jahre live, ehrlicherweise aber logistisch viel zu aufwändig – und wir können Pötte eben besser als Pflanzen. Trotzdem ist es für uns unfassbar wichtig, entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitzureden. Unser Produkt braucht Erklärungen – und dafür müssen wir sichtbar sein.

Wie erreicht Ihr KundInnen aktuell am besten? Ist Community-Building ein Thema?

Die Gartenbaubetriebe erreichen wir am besten direkt. Unser Sitz liegt mitten im größten Anbaugebiet für Blumen und Pflanzen in Deutschland. Wir sind also nah dran. Ansonsten gute Frage: Das Thema Community Buidling, auch als D2C-Brand, ist sicherlich für die Zukunft ein nicht zu unterschätzendes Thema!

Deine liebste Anekdote aus der Gründungs- oder Unternehmensgeschichte?

Oh, da gibt’s einige! Aber ein Highlight war definitiv unser Trip nach Hamburg zu Ralf Dümmel. Alex und ich sind mit einem kleinen LKW voller Tulpen losgefahren und haben für ein paar coole Fotos vor dem Eingang alle Blumen aufgestellt. Danach haben wir die Pflanzen ans Team verschenkt. Die Freude war riesig – und wir natürlich auch happy! 

Was ist Deine Vision für POTTBURRI in den nächsten fünf Jahren?

Meine Vision ist, dass es total normal wird, Pflanzen einfach mit Pott einzugraben. Da steckt nämlich alles drin: Dass wir unser Sortiment ausbauen, weitere Rezepturen entwickeln, der Markt weiter wächst, wir so laut sind, dass Konsument:innen unser Produkt verstehen, nachhaltige Alternative immer normaler werden, und und und!

Über die Autorin

Katrin Grieser, K5 GmbH
Katrin Grieser
Katis Liebe zur Sprache und zum Schreiben hat sie schon als Volontärin zur K5 geführt. Seit 2022 ist sie Redakteurin für Digital & Print und geht ihrer Leidenschaft für Schreiben auf dem K5 Blog, in der Podcastredaktion und als Chefredakteurin des K5 MGZNs nach.

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