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Digitale Resilienz im B2B: Die eigentliche Herausforderung heißt Abhängigkeit

Autor: Gastbeitrag
Datum: 9. Juli 2026

Warum sich die Zukunftsfähigkeit von Großhändlern und Herstellern zunehmend an der Kontrolle über Daten, Systeme und digitale Infrastrukturen entscheidet.

B2BEST-Radar @ K5: Zahlen, Trends und Insights vom ECC KÖLN 

Wenn über digitale Resilienz gesprochen wird, denken viele zunächst an Cyberangriffe, Systemausfälle oder Datenschutzverletzungen. Doch digitale Resilienz beginnt nicht erst im Krisenfall, die eigentliche Herausforderung findet sich deutlich früher.

Sie zeigt sich im Alltag: Wenn Daten zwischen Systemen nicht durchgängig verfügbar sind, neue Anwendungen nur mit hohem Aufwand integriert werden können oder gewachsene IT-Strukturen notwendige Veränderungen ausbremsen. Häufig werden solche Probleme erst sichtbar, wenn Unternehmen unter Druck geraten. Tatsächlich entscheidet sich digitale Widerstandsfähigkeit jedoch lange vor einer Krise: nämlich bei der Gestaltung der eigenen IT- und Datenlandschaft.

Genau deshalb rücken digitale Resilienz und digitale Souveränität zunehmend in den Fokus von Großhändlern und Herstellern. Bereits heute messen 63 Prozent der befragten B2B-Unternehmen diesen Themen eine hohe Relevanz bei. In fünf Jahren steigt dieser Wert sogar auf 83 Prozent, wie das aktuelle B2BEST Barometer des ECC KÖLN in Zusammenarbeit mit synaigy und OVHcloud zeigt. Die strategische Bedeutung ist also längst erkannt. 

Die Themen werden dabei längst nicht mehr ausschließlich als IT-Aufgabe verstanden. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor für Wachstum, Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

Zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegt die eigentliche Herausforderung

Die gute Nachricht: Der Handlungsbedarf wird erkannt. So wollen sieben von zehn Unternehmen (70 %) ihre Investitionen in die eigene IT-Systemlandschaft im kommenden Jahr erhöhen. Gleichzeitig geben 56 Prozent an, dass sie sich digital besser aufstellen müssen, um langfristig erfolgreich zu bleiben. 

Doch wie bereits bei vielen anderen Zukunftsthemen im B2B zeigt sich auch hier ein bekanntes Muster: Die Erkenntnis ist vorhanden, die Umsetzung gestaltet sich deutlich schwieriger. Hohe Wartungs- und Betriebskosten für die bestehende Infrastruktur, fehlende personelle Ressourcen in der IT sowie veraltete Software zählen weiterhin zu den größten Hürden. Gleichzeitig ist der Aufwand für die Gewährleistung der IT-Sicherheit, die technische Integration neuer Systeme und die Entwicklung neuer Funktionalitäten hoch. 

Gerade im B2B, wo häufig über Jahre gewachsene Systemlandschaften aufeinander treffen, entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Unternehmen müssen ihre Infrastruktur modernisieren, um zukunftsfähig zu bleiben. Gleichzeitig bindet genau diese Modernisierung Zeit, Budget und internes Know-how.

Resilienz entsteht durch Flexibilität

Ein wesentliches Ergebnis des aktuellen B2BEST Barometers lautet: Die größten Risiken liegen oft nicht außerhalb des Unternehmens, sondern in der eigenen technologischen Struktur.

Die Zahlen zeigen, dass viele Unternehmen noch immer mit gewachsenen Systemlandschaften arbeiten. So erfolgt bei 51 Prozent der befragten Unternehmen die Integration zentraler Systeme wie ERP oder CRM weiterhin über starre Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Weitere 14 Prozent arbeiten mit isolierten Silo-Lösungen. Nur etwas mehr als ein Drittel (35 %) setzt bereits auf ein API-Management. 

Das mag im Tagesgeschäft funktionieren. Wenn jedoch neue Vertriebskanäle, Partner, Anwendungen oder KI-Lösungen integriert werden sollen, wird genau diese mangelnde Flexibilität zum Problem. Damit wird Anpassungsfähigkeit zu einer entscheidenden Ressource.

Denn resiliente Unternehmen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie keine Risiken haben. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf Veränderungen reagieren können, ohne ihre Handlungsfähigkeit zu verlieren.

Eine moderne Systemlandschaft schafft dafür die Grundlage. Sie ermöglicht den sicheren Austausch von Daten, vereinfacht die Integration neuer Anwendungen und reduziert technische Abhängigkeiten. Genau deshalb wird die IT-Architektur zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor – und nicht nur zu einer technischen Infrastruktur im Hintergrund.

Digitale Souveränität ist mehr als ein europäisches Rechenzentrum

Eng mit dem Thema Resilienz verbunden ist die digitale Souveränität. Oft wird darunter vor allem die Frage verstanden, wo Daten gespeichert werden. Tatsächlich geht der Begriff deutlich weiter. Es geht darum, die Kontrolle über geschäftskritische Daten, Prozesse und Technologien zu behalten und Abhängigkeiten bewusst zu gestalten.

Die Studie zeigt, dass insbesondere die Kontrolle über eigene Daten für die Unternehmen entscheidend ist: 58 Prozent nennen sie als wichtigsten Faktor digitaler Souveränität. Dahinter folgen technologische Eigenständigkeit (44 %), die Einhaltung europäischer Regularien wie DSGVO oder EU Data Act (38 %) sowie die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern (33 %). 

Das zeigt: Digitale Souveränität ist längst kein Nischenthema für IT-Abteilungen. Sie wird zunehmend als strategische Voraussetzung verstanden, um Innovationsfähigkeit und Zukunftssicherheit zu gewährleisten. Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht Abschottung. Vielmehr geht es darum, Transparenz über bestehende Abhängigkeiten zu schaffen und bewusste Entscheidungen über Systeme, Anbieter und Datenflüsse treffen zu können

Der Blick auf die Technik allein reicht nicht aus

Resilienz entsteht jedoch nicht durch Technologie allein.

Ebenso wichtig sind klare Verantwortlichkeiten, strategische Prioritäten und ein realistischer Blick auf die eigene Situation. Unternehmen müssen verstehen, wo kritische Daten liegen, welche Systeme besonders wichtig für das Kerngeschäft sind und welche Abhängigkeiten im Ernstfall problematisch werden könnten.

Die Dringlichkeit wird besonders deutlich, wenn man auf die Abhängigkeit von funktionierenden Systemen blickt: 51 Prozent der befragten B2B-Unternehmen geben an, dass ein vollständiger Ausfall ihrer IT-Systeme unmittelbar zum Stillstand ihres Kerngeschäfts führen würde. Die Frage nach digitaler Resilienz ist damit längst keine technische Detaildiskussion mehr. Sie betrifft das gesamte Geschäftsmodell.

Fazit: Die Zukunftsfähigkeit entscheidet sich hinter den Kulissen

Die paradoxe Situation im B2B lautet aktuell: Die Bedeutung digitaler Resilienz wird von einer klaren Mehrheit erkannt, die dafür notwendigen Strukturen sind jedoch vielerorts noch nicht geschaffen. Genau hier liegt die eigentliche Managementaufgabe der kommenden Jahre. 

Digitale Resilienz ist kein kurzfristiges Projekt und kein Notfallplan für Krisenzeiten. Sie entsteht dort, wo Unternehmen ihre IT-Landschaften modernisieren, Datenflüsse transparent gestalten und technologische Abhängigkeiten bewusst steuern. Wer heute in flexible Strukturen investiert, schafft die Grundlage für Innovation, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit von morgen.

Für B2B-Unternehmen ergibt sich daraus eine zentrale Frage:

Wie widerstandsfähig sind unsere digitalen Strukturen wirklich – und ermöglichen sie uns auch in Zukunft, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren?

Die Antwort darauf wird in den kommenden Jahren zunehmend darüber entscheiden, welche Unternehmen Veränderungen erfolgreich gestalten können – und welche von ihnen ausgebremst werden.

Mehr Hintergründe, Daten und Einordnungen liefert das aktuelle B2BEST Barometer zu digitaler Resilienz und Souveränität.

Joanna Czock

Autorin: Joanna Czock

Joanna Czock ist seit Anfang 2021 Projektmanagerin am ECC KÖLN. Im Team Strategic Insights & Analytics ist sie schwerpunktmäßig für quantitative Studien verantwortlich und beschäftigt sich dabei mit Themen rund um die Handelswelt im digitalen Zeitalter. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt dabei im B2B-Bereich. Während und nach ihrem Masterstudium in „Soziologie und empirische Sozialforschung“ an der Universität zu Köln hat sie zudem bereits mehrjährige Erfahrung in verschiedenen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen gesammelt.

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