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Eva Neugebauer: Mit dem digitalen Hofladen zur Tech-Plattform

Mai 12, 2021 | Female in Retail, Food, Home, Nachhaltigkeit

Alles neu macht der Mai, alles Frische liefert Eva Neugebauer. Diesen Monat wollen wir Euch in der K5 Blogserie Erfolgreiche Gründerinnen die Co-Founderin von der Frischepost vorstellen.

2015 gründete sie mit ihrer ehemaligen Kommilitonin Juliane Willing den “Online-Hofladen” in Hamburg. Frischepost verkauft digital (Bio-)Produkte von regionalen Bauern, Bäckern und Manufakturen. Zunächst war der Vertrieb nur auf die Hansestadt und unmittelbare Umgebung beschränkt. Mit der Zeit wurde das Konzept auch in andere Städte wie Berlin, Köln und München gebracht. 

 

Das BWL-Studium als Werkzeug 

 

Ursprünglich kommt Eva Neugebauer aus dem Rheinland. Durch ihren Vater, der beruflich im Forstgewerbe und alternativen Energien tätig war, kam sie schon früh mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umwelt in Berührung. Ihr war schon immer klar, dass sie beruflich einen sozial-ökologischen Impact generieren möchte. Ihr BWL-Studium an der WHU, private Hochschule für Wirtschaft und Management, sah sie deshalb auch als praktisches Werkzeug für die Zukunft an. Doch auch währenddessen beschäftigte sie sich intensiv mit den Themen Soziales und Umwelt. So rief sie die Sozialunternehmerkonferenz Sensability ins Leben. Ebenfalls engagierte sie sich in der Entwicklungshilfe in Äthiopien. 

 

Problematik: Direktvermarktung – Lösung: Frischepost

 

Während des Masters kam ihre heutige Mitbegründerin Juliane Willing, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Hamburg groß geworden ist, mit der Problematik auf sie zu, dass in den Städten die wirklich frische und regionale Bio-Qualität von kleineren Bauernhöfen, Bäckereien und Manufakturen fehlt oder schwerlich zu bekommen ist. Für diese Betriebe wiederum ist die Direktvermarktung, die für sie am ertragreichsten wäre, zu kompliziert. Sowohl die Zeit, als auch das fachliche Know-How fehlt.

 

Und so entstand die Idee und Lösung des Problems: Die Frischepost. Ein Online-Hofladen, in dem Städter ohne Umschweife regionale Bio-Produkte vom Land bestellen können und direkt vor ihre Haustür geliefert wird. Zugleich werden die kleineren Betriebe gefördert, die durch die Direktvermarktung faire Preise erzielen. Den Vertrieb und die komplette Logistik wird von der Frischepost übernommen. Eva war bei dieser Idee sofort Feuer und Flamme und das Unternehmen war geboren. 

 

Food oder doch Tech? – “gerade in transition” 

 

Anfangs bestanden sie aus einem kleinen Team, in dem jeder überall mit angepackt hat. Da fuhren auch schon mal die Gründerinnen die Ware aus. Mittlerweile haben sie ihre Flotte erweitert – natürlich alles ressourcenschonende E-Autos. Die Bauern, Bäcker und Manufakturisten kennen sie persönlich und stehen mit ihnen in regelmäßigem Austausch. Die Verpackungen und Gläser, die für den Transport der Ware verwendet werden, sind 100% Mehrweg. Ausgeliefert wird an festgelegten Tagen. In München zum Beispiel wird derzeit dreimal die Woche geliefert. Das Lager ist voll digitalisiert und automatisiert. Geholfen hat ihnen dabei das EXIST Gründerstipendium, dass bei technologisierten und wissensbasierten Produkten vergeben wird.

 

Die eigens entwickelte IT-Plattform, die nicht nur Grund für die Stipendienvergabe war, sorgte auch von Anfang an für die Profitabilität. Der Umsatz hat sich seit Gründung jedes Jahr verdoppelt.

Auf die Frage, ob es sich bei der Frischepost noch um einen Food-Player oder schon um einen Tech-Player handelt, antwortet Eva Neugebauer im K5 TV lachend “gerade in transition”. 

 

Bewusster Lebensmittelkonsum als alltäglicher Standard 

 

Lange setzten Eva und ihre Mitbegründerin den Fokus auf regionale Vermarktung. Ihnen war es wichtiger in Hamburg einen festen Fuß zu fassen, anstatt schnell zu expandieren. Nun, auch durch die Pandemie begünstigt, ist das Frischepost-Konzept auch in den anderen deutschen Großstädten vertreten. In Berlin, Köln, München und Co. arbeiten die ortsansässigen Teams mit lokalen und regionalen Landwirten und Manufakturen zusammen und bringen die Produkte zu den Städtern. In den nächsten drei Jahren soll die Frischepost  an 26 weiteren Standorten vertreten sein. 

 

Als man die Co-Founderin auf ihre weiteren Zukunftswünsche anspricht, betont sie die Transparenz der Lebensmittelindustrie. Ebenfalls ist ihr wichtig, dass bewusster Lebensmittelkonsum, der momentan noch ein Trend ist, zum alltäglichen Standard wird. 

 

Oft wird in der Gründerszene angeprangert, dass Frauen seltener bei ihrer Geschäftsidee finanziert werden, zu wenig Stipendien erhalten und kaum in Tech und IT vertreten sind. Ebenfalls hält sich die Behauptung hartnäckig, dass sozial-fokussierte Unternehmen nicht profitabel wären. 

Eva Neugebauer und ihre Co-Founderin Juliane Willing zeigen, dass es auch anders geht. Mithilfe des technik-fokussierten Stipendiums schaffen sie eine eigene IT-Plattform aufzubauen, um damit ihr Social Entrepreneurship erfolgreich zu machen. Und die Zahlen sprechen für sich: Obwohl während Corona die Firmenkunden weggebrochen sind, hat sich der Umsatz verdreifacht, der Umsatz der Privatkunden sogar fast versechsfacht.

 

Das Team der K5 freut sich immer wieder solche mutigen und inspirierenden Frauen, wie Eva Neugebauer, kennen lernen zu dürfen und wir hoffen, dass die eine oder andere zukünftige Gründerin sich für ihre eigene Idee beflügelt fühlt.

 

 

Von Lena-Maria Stahl

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