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Wie E-Food Einfluss auf unseren Wocheneinkauf nimmt

Mrz 19, 2021 | E-Commerce Insights, Food, Home, K5 TV

Es ist unschwer zu erkennen, dass die Food-Branche im Wandel ist. Dieser wurde durch das Pandemiejahr 2020 stark beschleunigt. Das hat natürlich auch Einfluss auf den Online-Handel und wirft die Frage auf, ob wir zukünftig vom ritualisierten Wocheneinkauf bei unserem lokalen Supermarkt abweichen werden.

 

Boom: E-Food

E-Food LieferdiensteDie Essenskultur in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark verändert. 80% der Bevölkerung bestellen mindestens einmal im Monat ihr Essen und lassen es sich nach Hause liefern. Das beflügelt den E-Food-Markt. Peer Schader vom Supermarktblog verfolgt die neuesten Trends. Dabei sieht er das finnische Food-Delivery-Unternehmen Wolt auf dem Vormarsch. Es verfolgt ein ähnliches Konzept wie Lieferando, erweitert seine Dienste jedoch, indem sie auch Lebensmittel liefern und Restaurants listen, die sonst keine Lieferkapazitäten hätten. Die Sofort-Lieferdienste Gorillas und Flink gewinnen auch an zunehmender Bedeutung. Sie werben mit Lieferungen von Lebensmitteln innerhalb von 10 Minuten. Alexander Graf von Spryker und Ruppert Bodmeier von Disrooptive führten im K5 TV eine Live-Bestellung bei Gorillas in Hamburg durch. Fazit: Die Bestell-App ist mit einer leichten visuellen Leitung schnell zu verstehen. Das Angebot ist überschaubar, aber ausreichend. Nur drei Minuten nach der Bestellung ist der Fahrer bereits auf dem Weg, was man per Live-Tracking verfolgen kann. Nach nur knapp vier Minuten ist die Bestellung bei Ruppert Bodmeier angekommen. Die Schnelligkeit und Effizienz der Lieferung lässt einen sprachlos, doch bleiben die Fragen offen, welche Technik dies ermöglicht und wie das Arbeitsverhältnis für die Lieferanten aussieht. Auf jeden Fall, da sind sich die Experten einig, entsteht durch Gorillas und Co. eine ganz neue Lobby, die langfristig Einfluss auf uns haben wird.

 

Supermarktblog E-Food

 

Neben den Convenience-Lieferanten nehmen auch die Delivery-Dienste im Frische-und Bio-Sektor Fahrt auf. Der E-Food-Anbieter Amazon Fresh, der bis jetzt nur in wenig urbanen Regionen Deutschlands vertreten ist, wird im Laufe von 2021 Konkurrenz vom tschechischen Unternehmen Rohlik bekommen. Rohlik, in Deutschland als Knuspr bekannt, wirbt mit frischen, regionalen Produkten, die innerhalb von drei Stunden beim Kunden sind. Nicht zu vergessen sind die Getränkelieferdienste. Allen voran der Getränkelieferant flaschenpost, der mittlerweile so lukrativ ist, dass er vom Dr. Oetker Konzern für einen Milliardendeal gekauft wurde.

 

Picnic – das digitale Angebot für den traditionellen Wocheneinkauf

 

Immer mehr Supermärkte stellen entweder eigene Lieferservices zur Verfügung oder kooperieren mit Anbietern, so wie Edeka mit Picnic. Das in den Niederlanden gegründete Unternehmen unterscheidet sich von anderen E-Food-Anbietern. Während Amazon Fresh oder Convenience-Lieferanten, wie Gorillas, nur in Innenstädten liefern, setzt Picnic auf die Vorstädte. Es geht ihnen nicht darum, innerhalb von wenigen Stunden zu liefern, sie verfolgen vielmehr den klassischen Wocheneinkauf – online bestellt. Einmal die Woche fahren eigene Lieferanten ihre “Milchmannroute” ab. Der Kunde ist nicht der Single in der zentralen 2-Zimmerwohnung, sondern die Familie im Eigenheim in den urbanen Randgebieten. 

 

Momentan ist Picnic nur in Nordrhein-Westfalen vertreten, wo sie sich allerdings großer Beliebtheit in den Gemeinden erfreuen, so Frederic Knaudt, Co-Founder & CEO von Picnic Deutschland. Die Bürgermeister aus den Regionen erfreuen sich vor allem während der Lockdowns über die Möglichkeit des digitalen Wocheneinkaufs mit kontaktlosen Lieferungen. 

 

Peer Schader stellt jedoch infrage, ob das Konzept des bequemen Wocheneinkaufs mit dem Quick Commerce & Fast Delivery Anbietern mittel- und langfristig mithalten kann. Vielmehr aber noch steht die Frage im Raum, wie sich die Errungenschaften der E-Food Branche auf unsere Erwartungen an Lebensmitteleinkäufen auswirken werden.

 

E-Food

 

Lieferando: “Wenn ich orange sehe, muss ich Hunger bekommen”

 

Wie die Food-Branche den E-Commerce für sich nutzt, ist vor allem an den Food-Delivery Services zu sehen. Allen voran Deutschlands Marktführer Lieferando. Die orangenen Lieferanten sind weder aus dem Straßenverkehr, noch aus unseren Essensplänen wegzudenken. Lieferando, der zum internationalen Konzern Justeattakeaway.com gehört, sieht sich selbst als Marktplatz für Essensbestellungen. Auf einer Website sind für den Kunden alle Restaurants verfügbar, die zu seiner Postleitzahl liefern. Lieferando übernimmt die Onlinepräsenz, die Bestellabwicklung und stellt Fahrer zur Verfügung. Dabei erhält der E-Food-Marktplatz durchschnittlich eine Provision von 13% bei mehr als 90% der Bestellungen. Doch nur 10% der Fahrer sind tatsächlich von der Lieferando-Flotte selbst gestellt. Die meisten Bestellungen liefern die Restaurants selbst aus. Doch auch diese sind oft in der Markenfarbe Orange unterwegs. “Wenn ich orange sehe, muss ich Hunger bekommen”, so Katharina Hauke, Managing Director des Unternehmens in Deutschland. Das Unternehmen bietet ihre Produkte, wie die Ausstattung für die Fahrer oder recyclebares Verpackungsmaterial, den Gastronomen vergünstigt an. Das Markenlogo ist natürlich immer dabei, um den Netzwerkeffekt voranzutreiben.

 

Durch Corona haben sie einen Zuwachs an Restaurants bekommen, dass nun über 20 000 Gastrostätten deutschlandweit ihr Essen über den orangenen Lieferdienst anbieten. Das seien laut Hauke wöchentlich so viele Neulistungen wie sonst in einem Monat. Lieferando gehört eindeutig zu den Profiteuren der Krise. Im vierten Quartal des vergangenen Krisenjahres haben sie 50% mehr Bestellungen als im Vorjahr zu verbuchen. Der Konzern reagierte auf die Pandemie schnell. So wurde zum Beispiel eine digitale Kantine für Mitarbeiter im Home Office angeboten. Restaurants konnten sich kostenlos listen und vermitteln lassen.

Die Gorillas-Live-Order im Video “Commerce neu denken!” kannst du mit einer kostenlosen Mitgliedschaft im K5 Klub in der Mediathek anschauen. Die ganzen Videos mit spannenden Fakten, wie das Lieferando-Update mit Katharina Hauke, der aktuelle Stand von Picnic mit Frederic Knaudt, und Trends und Analysen mit Peer Schader vom supermarktblog sind in der Mediathek für dich hinterlegt. Ebenfalls ist ein Blick in die Schweiz zum Thema Food mit spannenden Insights zu finden. Jetzt kostenlos registrieren!

Von Lena-Maria Stahl

 

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