Als Wachstumsunternehmen an der Börse - Fluch oder Segen - Mit Rolf Schrömgens von Trivago

Als Wachstumsunternehmen an der Börse – Fluch oder Segen?

Trivago haben wir es zu verdanken, dass wir bei der Urlaubsplanung nicht mehr sämtliche Hotelseiten für das passende Angebot durchforsten müssen. Rund 1,4 Mrd mal wird die gigantische Hotelsuchmaschine pro Jahr aufgerufen. Gründer Rolf Schrömgens war beim ChefTreff zu Gast und sprach mit Sven über Finanzierungsrunden, Anlagestrategien und die Zeit nach dem Börsengang.


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Mit der richtigen Finanzierung (zum Erfolg)

Im Prinzip ist Trivago eigenfinanziert gestartet. In den ersten zwei Finanzierungsrunden, wurden insgesamt 1,4 Mio$ von Business Angels eingenommen. Dabei wurde auf eine Sache besonders geachtet. “Bei unseren Kapitalgebern handelte es sich immer um Unternehmer. Denn es war uns wichtig, Leute mit reinzunehmen, die selbst gegründet haben. Einerseits behältst Du deine Unabhängigkeit, andererseits hast Du jemanden an Bord, der das schonmal gemacht hat.”

Nicht geplant ist halb gewonnen

Heute ist Trivago eine börsennotierte Firma. Ein Status, den man erst einmal erreichen muss. Allerdings stand der Börsengang eigentlich nicht auf der Agenda, zumindest nicht an oberster Stelle. “Wir hatten zwar schon erste Vorbereitungen für diesen Schritt getroffen, aber letztendlich haben wir unsere Organisation für nicht reif genug gehalten. Dann ist aber natürlich die Frage: Was machen wir sonst?” Nachdem zum damaligen Zeitpunkt Kayak an einen großen Player verkauft wurde, entschied sich Trivago 2012 dazu Unternehmensanteile an Expedia zu veräußern. “Da nach dem Expedia-Deal 80% der Anteile noch bei uns lagen, hat uns das langfristig die meisten Freiheiten gelassen. So konnten wir unter dem Deckmantel von Expedia in Ruhe unser Dasein führen.” Irgendwann hatte Trivago eine Größe erreicht, die dazu führte, dass das Unternehmen als Segment im Mutterkonzern aufgeführt wurde und Reports abgeben musste.

 

Ein sinnvoller Secondary?

Bei der Transaktion hat Schrömgens 20% seiner Anteile verkauft und somit ein bisschen ‘cash behind the firewall’ gebracht. Der Verkauf von Anteilen an beispielsweise einen VC gewährleistet persönliche Sicherheit und unternehmerische Handlungsfreiheit. Entscheidet man sich allerdings dazu einen anderen Weg zu gehen kann dies eine Blockade sein. Gerade dann, wenn man Kredite aufgenommen hat. “Man denkt man hat dann keine Sicherheit mehr und trifft dann häufig falsche Entscheidungen. Für Unternehmen ist das eine gefährliche Situation. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, warum viele deutsche Firmen zu früh verkauft werden.” Für Rolf allerdings scheint es am idealsten einen kleinen Teil sichergestellt zu haben. Während der sich der größte Teil noch im Unternehmen befindet.

 

Entwicklung im Kapitalmarkt

Was macht ein Unternehmer wie Rolf Schrömgens mit seinem sichergestellten Geld? Welche Perspektiven für Investments sieht er? “Für mich persönlich gibt es langfristig keine Alternative zu Investments in Startups. Weil ich glaube, dass Erfolgszyklen von Unternehmen in Zukunft immer kürzer werden. So wie ich das einschätze, kommen wir stärker in eine Phase, bei der Startup-Finanzierungen einen großen Teil des angelegten Geldes ausmachen wird.” Strukturierte Unternehmen werden künftig weniger interessant sein. “Wer ein profitables Geschäft haben will, muss in weniger strukturierte Bereiche gehen. Dann ist die Frage, wie man diesen Kapitalmarkt für junge Unternehmen stärker strukturieren kann.”

Am Beispiel Silicon Valley sieht man, dass eine viel stärkere Strukturierung der Deals vorhanden ist. Alles ist standardisiert, die Leute kennen sich untereinander besser und haben ähnliche KPI Strukturen. “All das macht es so viel einfacher zu investieren; das Kapital ist dann auch viel liquider. Und so wie es im Valley abläuft, wird es auch hier kommen. Weil der Kapitalzufluss einfach mehr in junge Companies gehen wird.”

 

Übersteigerte Erwartungen

Dass an der Börse nicht alles rund läuft, hat Trivago erst kürzlich erfahren müssen. Denn der Aktienkurs, der im Jahresverlauf die Marke von 20$ erreichte, liegt aktuell bei 8$ und damit unter dem Ausgabepreis von 12$. Für Rolf Schrömgens aber noch kein Grund hysterisch zu werden. “Natürlich schaut man dann schon ein bisschen genauer hin und weiß, wo der Kurs steht. Aber es ist wichtig, das vom operativen Tagesgeschäft zu trennen.” Cool bleiben ist also angesagt. Denn das, was man am Kurs sieht, sind immer Erwartungen, die mit der Realität nicht übereinstimmen. “Am Ende des Tages geht es um zwei Dinge: Zum einen wollen wir ein Geschäft aufbauen, das langfristig erfolgreich ist. Zum anderen geht es darum Transparenz zu schaffen. Dazu sind ab und zu Dinge notwendig, die dazu führen, dass man von Externen kurzfristig falsch eingeschätzt wird.”

 

„Was zählt, ist Transparenz“

Trivago befindet sich in einem Wachstumssegment. Trotzdem ist Rolf Schrömgens der Meinung, sein Unternehmen nicht nach Erwartungshaltungen ausrichten zu müssen. Vielmehr ist es ihm wichtig, dass seine Firma so bewertet wird, wie sie ist. “Ich glaube, am weitesten kommt man, wenn man möglichst viel Transparenz liefern kann. Am Ende geht es darum, ein gutes Business aufzubauen. Da gibt es nun mal gute und mal schlechte Zeiten. Und die Leute sollen schließlich wissen, was bei uns passiert.”

 

Podcast Übersicht

01:28 Wie definiert sich das Geschäftsmodell von Trivago und wie planbar war der Werdegang des Unternehmens?

04:33 Was sollten Unternehmer bei einer Finanzierungsrunde beachten und welche Entscheidungen spielen eine Rolle bei der Wahl des Investors?

07:28 Wie kam es zum Verkauf an Expedia und wie Sinnvoll ist ein Secondary zur Realisierung einer finanzieller Rendite?

14:15 Frei nach dem Motto “Put your money where your mouth is!”, welche Anlagestrategie verfolgst du und welche Entwicklungen siehst du auf dem Kapitalmarkt?

19:50 Wie beeinflusst der Börsengang den Alltag eines Unternehmers und warum sollte der Aktienkurs keinen Einfluss aufs operative Geschäft nehmen?

23:12 Trivago befindet sich in einem Wachstumssegment! Versteht die Börse Wachstumsunternehmen und warum macht es Sinn das Unternehmen nicht nach Erwartungshaltungen auszurichten?

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